Ein wichtiger Industriezweig der Stadt Güstrow im vergangenen Jahrhundert war die Produktion von Zucker. Der Anbau von Zuckerrüben und die Produktion des Zuckers versprachen einen guten Gewinn. Daher fanden sich aus den Reihen der Gutsbesitzer und Landwirte schon bald genügend Geldgeber zu Gründung der Zuckerfabrik Güstrow AG. 1881 wurde mit dem Bau der Fabrik begonnen, Ende Oktober 1883 wurde die Produktion am Ende der SPEICHERSTRASSE aufgenommen. Die Lage in direkter Nachbarschaft des Flusses Nebel resultierte aus dem hohen Wasserbedarf bei der Verarbeitung. Das von der Halleschen Maschinenfabrik nach dem neuesten Stand der Technik erbaute Werk war für eine tägliche Verarbeitungskapazität von 500 Tonnen Rüben ausgelegt. Zunächst trieben 13 Dampfmaschinen über zahlreiche Transmissionen die Technik an. Mit der Verbreitung der Elektritzität ab 1900 erfolgte nach und nach die Umrüstung der Verarbeitungsmaschinen auf elektrische Einzelantriebe. Ziel war es, nur noch mit einer Dampfmaschine auszukommen, die dann über einen Generator den benötigten Strom erzeugen sollte. Durch kontinuierliche Verbesserungen der Technik gelang es den Betreibern die Kapazität auf bis zu 700 Tonnen am Tag auszubauen. Die Fabrik erzeugte nur Rohzucker, der dann zur Weiterverabeitung an eine Raffinerie geliefert wurde. Die Abwässer wurden zunächst in einem Abschlammteich vorgereinigt und versickerten dann anschliessend auf den Wiesen zur Nebel hin. Seit 1896 erfolgte die Anlieferung der Zuckerrüben über einen eigenen Rübenhafen am BÜTZOW-GÜSTROW-KANAL, der heute allerdings fast völlig verlandet ist. Dort erfolgte über ein Pumpenhaus auch die Entnahme des Brauchwassers. Entlang des Kanals erbaute man in der Nähe der Dörfer mehrere hölzerne Beladestellen. 1912 wurde eine Kartoffelflockenfabrik angeschlossen. Das Hauptgebäude der Zuckerfabrik brannte jedoch am 28. Oktober 1929 bei einem verheerenden Grossfeuer fast vollständig nieder. Mitten in der Kampagne verloren 250 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Auslöser war vermutlich die Schnitzeltrocknungsanlage. Der damalige Direktor Jürries wollte das Werk so schnell wie möglich wieder aufbauen. Daher kam es Anfang 1930 zu einer Versammlung der Aktionäre. Aufgrund der wirtschaftlich schlechten Lage in jenen Jahren waren die Aktionäre aber nicht bereit das erforderliche Kapital für einen Neuaufbau bereitzustellen. Lediglich die Zuckerrübenannahme mit Abspritzanlage und Rübenwäsche wurde wieder hergerichtet und blieb bis 1945 bestehen. Die Rüben wurden dann per Zug zur Zuckerfabrik in Rostock geliefert. Mit dem Ende der Zuckerfabrik verlor auch der Hafen am Kanal jegliche Bedeutung.
Lage der Zuckerfabrik am Ende der Speicherstrasse:
Nach der Wende wurde das Werk 1990 von der Zucker AG Uelzen-Braunschweig (der späteren Nordzucker AG) übernommen. In der Folge wurden 320 Millionen DM in Modernisierung und Ausbau investiert. 1995 erreichte man damit ein Verarbeitungskapazität von 8000 Tonnen am Tag. Aufgrund der EU-Zuckermarktreform und der damit verbundenen Quotenreduzierung wurde das Werk 2008 ausser Betrieb genommen und in den folgenden Jahren komplett abgerissen. Geblieben ist heute nur eine ungenutzte Freifläche.