Bützow-Güstrow-Kanal

Kartenausschnitt von 1939

Der Bützow-Güstrow-Kanal verbindet den Fluß Nebel in Güstrow mit der Warnow bei Bützow. Der Kanal ist der Überrest einer im 19. Jahrhunderts geplanten, aber nur teilweise verwirklichten Binnenwasserstraße von Rostock nach Berlin. Die Verbindung sollte von der Warnow unter Einbeziehung von Krakower und Plauer See über die Müritz-Elde-Wasserstraße, Elbe und Havel realisiert werden. Erste Ideen zu diesem Projekt gab es schon ab 1828, konkrete Planungen für diesen Rostock-Berliner Kanal gab es aber erst ab 1873. Gebaut wurde aber nur das Teilstück zwischen Bützow und Güstrow für dessen Erstellung der Schweriner Landtag 1886 1,1 Millionen Mark bewilligte. Der konkrete Bauplan für die Schleusen und Brücken wurde vom Hafenbauamt Rostock ausgearbeitet. Der Kanal beginnt an der Warnow im Bützower Ortsteil Wolken und führt, im Tal der Nebel gelegen, vorbei an den Dörfern ZEPELIN, KLEIN SCHWIESOW und PARUM nach Güstrow.  Der eigentliche Kanalbau begann 1894. Im Oktober 1896 wurde der Kanal geflutet und durch eine Fahrt mit dem Bezinmotorschiff Borwin erprobt. Der Verkehrsweg war für Schiffe bis zu 150 t konzipiert. Dafür sah die Planung eine Kanalbreite von 16 m, eine Sohlenbreite von 10 m und eine Wassertiefe von 1,50 m vor. Zwei Schleusen (Wolken und Zepelin) sorgten für die Überwindung von 6 m Höhenunterschied. Ihre Grösse orientierte sich an der Rostocker Mühlendamm-Schleuse. Dazu gehörten zwei Schleusenwärter-Wohnhäuser mit Stallungen. Sieben Brücken sollten den Querverkehr über den Kanal gewährleisten. Vier Brücken wurden als Drehbrücken errichtet. Eine feste eiserne Brücke entstand für die Landstrasse bei Wolken. Interessantestes technisches Bauwerk ist wohl die heute noch existierende Portalzug-Brücke bei Lüssow. Dazu baute man noch eine Mastenklappbrücke in Güstrow, die aber nach der Wende wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Zudem wurden entlang des Kanals noch mehrere einfache Ladestellen und der am Endpunkt gelegene Hafen in Güstrow erbaut. Der Grossteil der nötigen Schachtarbeiten wurde in manueller Arbeit vorgenommen, im alten Nebelverlauf kamen aber auch Schwimmbagger zum Einsatz. Um die zahlreichen Arbeiter in der ländlichen Gegend zu beaufsichtigen wurde in Zepelin für die Dauer der Kanalarbeiten eine zusätzliche Gendarmeriestation eingerichtet. Die Freigabe des Kanals erfolgte Ende 1896. Etwa zeitgleich erwarben Güstrower Bürger das Rostocker Dampfboot Pfeil, benannten es in Güstrow 1 um und führten von nun an Lustfahrten nach Bützow und Rostock durch. 1897 wurde noch ein zweiter Dampfer erworben. Auch die Flussbauinspektion für die Nebel-Warnow-Wasserstrasse, die in Güstrow angesiedelt wurde, verfügte über ein eigenes Boot. Der Güterverkehr auf dem Kanal wurde in erster Linie von Prahmen im Schlepp von kleinen Schleppern abgewickelt. Zumeist wurden so Ziegel von den Rostocker Ziegeleien bis nach Güstrow und die Produkte der Güstrower Zuckerfabrik bis nach Rostock verschifft. Das vorgesehene System mit der Verbindung zur Elbe kam nicht zustande, da vom weiteren Ausbau nach Plau am See abgesehen wurde. So entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg auf dem Kanal nur ein mäßiger Frachtverkehr. Die größte in Güstrow umgeschlagene Gütermenge wurde 1914 mit 12.480 Tonnen und 173 Schiffen erreicht, schon 1915 kam es zu einem kriegsbedingten Einbruch: nur 37 Schiffe löschten gerade mal 239 Tonnen Güter. Bis 1929 erhöhten sich diese Werte zwar wieder, aber in diesem Jahr fiel mit der Zuckerfabrik Güstrow zudem ein wichtiger Befrachter aus. Der Kanal blieb zwar weiter in Betrieb, verlor aber weiter an Bedeutung, da auch der Warenverkehr auf der Warnow zwischen Bützow und Rostock weiter zurückging. 1953 gab es auf dem Kanal noch zwei Schlepper und drei Flösse, ab etwa 1954 fuhren nur noch Sportboote. Ende der 1970ger Jahre wurde dann die Zepeliner Schleuse in ein Stau-Wehr umgebaut. Heute ist der Kanal keine Wasserstraße mehr und hat nur noch für den Wassertourismus eingeschränkte Bedeutung. Zeugnisse der Technik des ausgehenden 19. Jahrhunderts sind die steinerne Kammerschleuse bei Wolken, die instandgesetzte Zugbrücke bei Lüssow und vier Drehbrücken. Auf dem Kanaldamm führt heute der Radweg Berlin-Kopenhagen entlang.



Diese Aufnahme zeigt die letzte ausgebaute Brücke des Kanals, schon auf dem Stadtgebiet von Güstrow gelegen. Es handelt sich um die sogenannte "Schweinebrücke", deren Spitzname von der direkten Lage am Schlachthof herrührt. Von dieser Brücke ist heute allerdings nichts mehr zu sehen, sie wurde 2010 wegen Baufälligkeit abgerissen. Ganz rechts ist der grosse Schuppen zu erkennen, der sich auch auf den Postkarten mit der Hafenansicht von 1899 wiederfinden lässt.

  Kanalimpressionen von 2013


Zeitgenössischer Zeitungsbeitrag:

Neue Hamburger Zeitung vom 21.10.1896

 

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