Neben einer offiziellen, gedruckten Postkarten-Serie des Güstrower Fotografen Ernst Grantzow aus dem Jahr 1915 gibt es auch eine große Zahl individueller Foto-Postkarten.  Auch sie wurden ab 1915 teilweise auf dem Fotopapier von Ernst Grantzow hergestellt. Im Lager selbst gab es eine eigene Foto-Baracke. Ob dieses Labor eine Außenstelle von Ernst Grantzow war oder in Eigenregie des Lagers betrieben wurde, ist nicht ganz klar.

typischer Aufdruck auf dem Fotopapier im Lager

Ab etwa 1916/1917 wurde dann gleichzeitig auch Fotopapier ohne den Ernst-Grantzow-Aufdruck benutzt. Auf diesen Fotokarten wurde stattdessen ein ovaler, grüner Stempel "Kriegsgefangenen-Lager-Photografie" und eine fortlaufende Nummer als Markenzeichen verwendet. Vermutlich ersetzte der grüne Stempel bei den Lagerfotografien den sonst üblichen Freigabestempel des IX. Armkorps. (Näheres zu den Vorgaben für das Fotografieren von Gefangenen und im Lager generell findet sich HIER). Die höchste mir bekannte Nummer ist 21175, allerdings ist die exakte Systematik hinter dieser Nummerierung noch nicht ganz klar. (eine Übersicht über die mir bisher bekannten Nummern findet sich HIER). Ab etwa 1918 wurde ein anderer, grüner Stempel ohne Rand zur Kennzeichnung verwendet. Verschickte Postkarten haben zusätzlich oft noch einen überwiegend runden, seltener einen eckigen, Prüf-Stempel des Lagers; in den frühen Jahren 1915-16 zusätzlich noch einen regulären Poststempel.

typische Stempel auf Karten des Güstrower Lagers:
 
Foto-Stempel 1
Foto-Stempel 2
eckiger Zensur-Stempel
     
runder Zensur-Stempel
runder Zensur-Stempel
Kompanie-Stempel (III.)
   
 Foto-Prüf-Stempel runder Zensur-Stempel
 Lagertransportstelle
   
Stempel der Kommandantur Stempel der Lagerkompanie
 

Die in mehreren Stempeln enthaltene Abkürzung "F.a." steht für "Frist abgelaufen". Hintergrund ist ein Erlass vom 11. November 1914. Danach durfte die Post der Kriegsgefangenen aus Sicherheitsgründen erst nach 10 Tagen weiter versandt werden. Um dies besser zu dokumentieren, wurde ab Januar 1915 zwingend der "F.a."-Vermerk auf den Kontrollstempeln vorgesehen. Jeder Häftling hatte das Recht jeden Monat 2 Briefe und 4 Postkarten in die Heimat zu schicken. Vor allem durch die letztere Regelung scheint es im Lager ein grosses Angebot an Postkarten für die Gefangenen gegeben zu haben und auch die Wachtruppe verschickte gerne Ansichten des Dienstortes an ihre Familien. Die Datierung der folgenden Ansichten und Karten bezieht sich fast immer das darauf geschriebene oder gestempelte Datum, was nicht unbedingt identisch mit der Entstehungszeit sein muss. So ist die Ansicht der Bäckerei sicher schon früher als 1918 entstanden, wie die niedrige Foto-Nummer 171 vermuten lässt.

WEITER: Lageransichten - Baracken, Strassen und Umfeld

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