Dienstrang: ohne

Aufgabe im Lager: Dolmetscher (Französisch ?)

Walter Joseph Talbot wurde am 3. Mai 1876 in Berlin geboren.1 Sein Vater Romain Talbot (1827-1909) stammte aus Paris. Seit 1852 hatte er dort zunächst ein photografisches Atelier betrieben, dass im Laufe der Jahre mehrere Niederlassungen bekam (u.a. in Brüssel) und sich ab 1855 zu einem Grosshandel für fotografisches Zubehör und Kameras entwickelte. Scheinbar vor allem aus deutscher Produktion. Wegen seiner Verbindungen nach Deutschland musste er wohl 1870 mit Beginn des deutsch-französischen Krieges Paris verlassen. Romain Talbot ging zunächst nach Lüttich und dann nach Berlin, wo er von Neuem mit einem Grosshandel begann.2 Unter der Marke „ErrTee“ vertrieb er nun neben Kameras, Objektiven, Entwicklungschemikalien und sonstigem Fotozubehör auch Projektionsapparate, Unterrichtsdias, Mikroskope, Thermosflaschen, Schneeketten, Fahrräder und Fahrradzubehör.3,4 Seine Export-, Import- und Transitgesellschaft bildete für etliche ausländische Unternehmen die Werksvertretung auf dem deutschen Markt, so unter anderem für die amerikanische Firma Eastern Kodak Dry Plate and Film Company. Nach und nach stiegen seine Söhne Robert, Maurice und Walter in das Geschäft ein. 1906 übernahm Walter Talbot den Bereich der Kameras und der Fotozubehörartikel und machte daraus ein eigenständiges Unternehmen.5 Mit dem Tod von Romain Talbot 1909 führten Maurice und Robert das übrige Geschäft unter diesem Namen weiter.

Walter Talbot machte sich mit zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und diversen Eigenentwicklungen auf dem Markt der Fotografie einen Namen. Auch im Bereich der Spezialfotografie im Forschungsbereich bis hin zu Röntgenplatten agierte die Firma Talbot, teilweise weiter unter der Marke „ErrTee“.6 Zu seinem Produktprogramm in dieser Zeit gehörten u.a. Detektivkameras von Watson & Son aus England, Material für die Dreifarben-Fotografie von A. Lumiere aus Lyon, empfindliche Fotopapiere, Rollkassetten und Reisekameras von Eastman aus den USA usw. Natürlich profitierte er auch vom Boom der privaten Fotografie mit dem Vertrieb von einfacheren Kameras. Noch heute findet man in einschlägigen Auktionen Kameras diverser Hersteller mit dem typischen runden Logo von Walter Talbot, Berlin.

1907 heiratete Walter Talbot in Berlin Frieda Hoffman.7 1909 bzw. 1910 kamen die Söhne Romain und York zur Welt, 1913 Tochter Irene.8 Wie und wann genau es Walter Talbot ins Güstrower Gefangenenlager verschlug ist derzeit leider nicht bekannt. Vermutlich konnte er durch seine Herkunft relativ gut die französische Sprache und wurde so als Dolmetscher eingesetzt. Ob dies ein freiwilliger Einsatz war oder ob Walter Talbot hier vom Deutschen Reich zwangsweise rekrutiert wurde, bleibt ebenfalls unklar. Fest steht, dass er mit seiner Familie und dem Kinderfräulein eine Wohnung in der EISENBAHNSTRASSE 6 bezog. Im Januar 1919 wurde sein dritter Sohn Robinson in Rostock geboren.8 Seine Firma bestand während der Kriegsjahre in Berlin weiter, vermutlich von Angestellten geführt. Auch in den folgenden Jahrzehnten bleibt sein Handel für photografische Artikel im Geschäft. 1934 wird Walter Talbot Vorsitzender des Reichsverbandes des deutschen Photohandels.9 Auch nach dem 2. Weltkrieg besteht die Firma Walter Talbot weiter, seit 1948 war seine Tochter Irene alleinige Inhaberin.10 1955 feierte das Photohaus Talbot am Kurfürstendamm 44 ein Doppeljubiläum: 100 Jahre Talbot-Photo und 50 Jahre Photo Walter Talbot.11

Anzeige aus Kamera Kunst Nr. 2, 1930

Ansichten:

1917 - Dolmetscher Sölter und Talbot 

 1917 - Büro der deutschen Verwaltung

 1917 - Priemerburg - Beschäftigte des Lagers

1917 - Priemerburg - Beschäftigte des Lagers

1918 - Besuch von Elsa Brandström

 

   

1918 - Besuch von Elsa Brandström

 

 

 

Quellen:

  1. Standesamt Berlin IX, Geburten 1876 Nr. 854
  2. FOMU - Directory of Belgian Photografers, Record 1997#4055
  3. Doll/Kirsch/Eckart, Wenn der Tod dem Menschen dient - Der Mensch als Lehrmittel, S.73
  4. HP-Fachzeitung für Automobilismus und Flugzeugtechnik, Band 5, 1911, S.13
  5. Kompendium der praktischen Photografie, 1906, S.380
  6. Kütterer, Lexikon der röntgenologischen Technik 1895 bis 1925, S. 51
  7. Standesamt Berlin-Charlottenburg 1, Heiraten 1907, Nr.277
  8. Volkszählung Mecklenburg 08.10.1919
  9. Das Atelier des Photografen, Band 41-42, 1934, S.40
  10. Verordnungsblatt für Gross-Berlin 1948, Band 4, S.10
  11. Photo-Katalog Walter Talbot 1955/56
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