Bever & Lange, Buchdruckerei, Lange Strasse 1

Bever & Lange war eine der mittelständische Druckereien, von denen es im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrere in GÜSTROW gab. Die Firma wurde 1885 von dem Buchdrucker Wilhelm Bever (1860-1938) aus Waren und dem Schriftsetzer Gustav Lange (1862-1939) aus Malchin gegründet. Die Gründung erfolgte wohl in GÜSTROW, weil beide eine Tochter des Landarbeitshaussergeanten Johann Danitz (1838-1916) heirateten und so ein echter Familienbetrieb entstand. Das Firmengebäude in der LANGEN STRASSE 1 war sowohl Wohnort als auch Betriebstätte. Gustav Lange bewohnte mit seiner Familie die kleine Wohnung im Erdgeschoss; Wilhelm Bever die grössere Wohnung oben. Im Erdgeschoss war zudem das Kontor und im hinteren Teil die eigentliche Druckerei untergebracht. Bever & Lange erledigte Druckaufträge aller Art, so unter anderem Formulare und Familienanzeigen. Zum Druck von Plakaten kam später noch die Betreuung der Litfaßsäulen im Stadtgebiet. Bever & Lange war dort für das Ankleben von eigenen und fremden Plakaten, sowie für den Ausshang von amtlichen Bekanntmachungen verantwortlich. Ein anderer Hauptgeschäftszweig war der Druck der Tageszeitung Güstrower Anzeiger. Hier war die Firma auch für die Herausgabe, Redaktion und Vertrieb verantwortlich. Der Güstrower Anzeiger erschien erstmals 1886 und wurde erst 1935 auf Grund amtlicher Anordnung eingestellt. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber der lokal orientierten Zeitung war Gustav Lange. Wilhelm Bever war für die Auftragsaquise zuständig. Zeitweise war er ehrenamtlicher Stadtrat. 1938 wurde die Druckerei von der nächsten Generation übernommen: Wilhelm Bever jun. (1892-1953) und Otto Lange (1900-ca. 1942) führten die Buchdruckerei weiter. Einer der grössten Aufträge in den Kriegsjahren war die Herstellung von Lebensmittelkarten, für deren Produktion eine moderne, fast automatische Druckmaschine angeschafft wurde. Otto Lange wurde 1942 zur Wehrmacht eingezogen und später als vermisst gemeldet, er kehrte nicht zurück. Wilhelm Bever jun. führte das Unternehmen mit Unterstützung von Otto Langes Frau in der Buchhaltung allein weiter. Mit Kriegsende 1945 wurde das Unternehmen geschlossen und die Maschinen 1946 als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht. Trotzdem schaffte es Wilhelm Bever jr die Druckerei mit geliehenen Maschinen weiter zu betreiben. Nach seinem Tod 1953 fiel diese Aufgabe den Witwen Helene  Bever und Erna Lange zu, denen es gelang die Produktion mit Hilfskräften bis 1968 aufrecht zu erhalten. Mit der Überalterung der Maschinen und dem Ausbleiben von Aufträgen wurde das Unternehmen geschlossen. 1972 wurden Haus und Grundstück in der LANGEN STRASSE 1 verkauft. Noch in den 1980er Jahren wurde das Gebäude abgerissen. Nur die Fassade blieb weitgehend erhalten, das Haus dahinter wurde komplett neu erbaut.

Anzeige im Adressbuch Güstrow, 1933

Ansichten:

 

1905 - Lange Strasse - Buchdruckerei Bever & Lange

1910 - Lange Strasse - Buchdruckerei Bever & Lange

 

Quelle: Daten zur Firmengesichte aus: Angelika Schmiegelow Powell, Güstrow im 20. Jahrhundert, 2001

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